Über die Zuwanderung aus dem Trentino im 19. Jahrhundert

Die „Gefürstete Grafschaft Tirol" war bis zum Ende des 1. Weltkriegs mehrsprachig. Die kulturellen und sprachlichen Unterschiede waren Ausdruck der Vielfalt des Landes. Nach dem Wiener Kongress hatten über 40% der Bevölkerung Italienisch als Muttersprache.

Sie wurden erst im 19. Jahrhundert allerdings ideologisch überfrachtetet, dass sie zu unüberbrückbar erscheinenden Widersprüchen wurden.

Der überwiegende Teil der italienischsprachigen Bevölkerung lebte im heutigen Trentino. Rechtsprechung und staatliche Verwaltung waren deshalb mehrsprachig,

daher lebte eine gehobene italienisch sprechende Beamten- und Bürgerschaft vor allem in den Städten. Der Verlust der Lombardei 1859 und von Venetien 1866 an das Königreich Italien belastete wie die Krisen in der Seidenproduktion die Wirtschaft im Trentino schwer. Der gründerzeitliche Aufschwung in den anderen Landesteilen beförderte im Trentino die jahrhundertealte Wander- und Saisonarbeit ebenso, wie der Eisenbahnbau, das Baugewerbe oder die Textilindustrie die Arbeitsmigration. In Innsbruck sprach daher mindestens jede zehnte Person Italienisch. Die Vielfalt war auch am Stadtbild abzulesen, um die Jahrhundertwende war das bittere Ende aber weder zwingend noch absehbar.

Die zunehmenden sozialen und politischen Konflikte im Vorzeichen von Deutschnationalismus und Risorgimento wurden zur Kulturdifferenz zwischen Welsch- und Deutschtirol aufgebauscht und zu einem Sprachenproblem umgedeutet. Die Unfähigkeit der konservativ-klerikalen politischen Eliten dem Trentino Autonomie zuzugestehen, lieferte weiteren Zündstoff. An der Universität Innsbruck wurde vor „Verwälschung" gewarnt, die Hoffnung auf eine italienischsprachige Universität wurde mit den Fatti di Innsbruck 1904 zu Grabe getragen.

Die Ausstellung zeichnet die komplexen Umbrüche mit Blick auf die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründe nach. Die zeitliche Distanz ermöglicht es, historische Aspekte hervorzuheben, die auch in gegenwärtigen Debatten noch nach- und zersetzend wirken könne. Was führte zu dieser Zuwanderung aus dem Trentino? Welche Krisensituationen liegen dieser Entwicklung zugrunde? Inwieweit prägte die Migration das Zusammenleben und welche Auswirkungen hat diese Entwicklung bis heute?

Die Ausstellung „Al Lavoro!" ist eine Kooperation mit dem Zentrum für MigratInnen in Tirol (ZeMiT). Diese Zusammenarbeit führt einen Ausstellungsschwerpunkt fort, der Migration einen sichtbaren Platz im Museum und in der Geschichtsschreibung Tirols gibt.

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