„Tracht. Eine Neuerkundung“

Ideologisch unterschiedliche Sicht dieses Themas

Wie ideologisch unterschiedlich Tracht gesehen wird, zeigen das Ausstellungsteam Karl. C. Berger, Reinhard Bodner, Anna Engl und Antonia Pidner in dieser bis 1. November geöffneten Sonderausstellung, zu der auch ein Begleitband erschienen ist.

Die Tracht ist Ausdruck und Bestandteil unserer im Laufe der Jahrhunderte entstandenen Volkskultur. Sie ist somit Kulturgut, weshalb es unsere Aufgabe ist, die Tracht als „Ehrenkleid der Heimat“ stilgerecht zu erhalten, in sinnvoller Weise zu pflegen und in zeitgemäßer Form im Sinne einer bodenständigen Überlieferung weiterzuentwickeln. Unter dem besonderen Blickwinkel dieser Ausstellung erleben Dirndl und Lederhose seit der Jahrtausendwende eine erstaunliche Wiederkehr in der Mode. Die traditionell anmutende Kleidung ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen angekommen. Nach wie vor löst das Trachtige aber auch Unbehagen aus – kam und kommt es doch in wechselnden politischen Systemen zum Einsatz. Grund genug, einmal mehr in die Geschichte heimischer Kleidung und Folklore zurückzublicken. Die Sonderausstellung legt einen Schwerpunkt auf die Neuentdeckung der Trachten seit circa 1900 im Tiroler Raum. Welche Personen, Praktiken und Institutionen spielten eine Rolle? Welche Ängste und Wünsche prägten den Diskurs? Das Volkskunstmuseum lässt dabei auch ein Kapitel seiner eigenen Geschichte Revue passieren, das mit dem Namen Gertrud Pesendorfer verknüpft ist.

Foto: Trachtenentwürfe, TVKM Johannes Plattner

Die Sonderausstellung geht aus einem Forschungsprojekt hervor, das von 2014 bis 2019 in Kooperation der Tiroler Landesmuseen mit der Universität Innsbruck durchgeführt wurde. Präsentiert werden neben textilen Objekten auch Bilder, Videos und Schriftmaterial rund um die Tracht – vor, während und nach der NS-Zeit. Museumsbestände zur Trachtenpflege werden erstmals gezeigt. Darüber hinaus positionieren aktuelle Objekte die Tracht zwischen Mode und Folklore, Pop und Politik; zwischen Schönheit, Zugehörigkeit, Tun und Macht. Geboten wird keine traditionelle Trachtenkunde, sondern ein kritisches Update für unsere Zeitgenossen.

In diesem Sinne ist es dem Kurator der Ausstellung, dem Ethnologen Dr. Reinhard Bodner gelungen, das Thema „Trachten“ von allen Seiten zu beleuchten:“Uns ist es wichtig, in dieser Ausstellung keine moralischen Wertungen vorzunehmen, nicht vorschnell zu urteilen und gleichzeitig nichts zu verharmlosen“, so Dr. Bodner wörtlich.

Dr. Heinz Wieser

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