Ausstellung über das Fersental

As en Bersntol - Über ein mehrsprachiges Tal im Trentino

Foto: Die deutsche Schule in Palai, 1906. Archiv des Museo Storico des Trentino

Bis zum 20. November gibt es die Gelegenheit, sich in einer vom Tiroler Volkskunstmuseum als Euregio-Projekt präsentierten Ausstellung über das „verzauberte Tal“, das Fersental, oder Bersntol, Valle dei Mòcheni sowie Valle del Fersina, zu informieren. Diese deutsche Sprachinsel fasziniert mit Landschaft, Kultur, Tradition und Gastronomie. Die Ausstellung „As en Bersntol“ lässt Bersntoler zu Wort kommen und beleuchtet anhand von Videointerviews, Objekten und Texten die Geschichte, Sprache und Kultur des mehrsprachigen Tals im Trentino. Die verschiedenen Bezeichnungen stehen für ein und dasselbe Gebirgstal, rund 20 Kilometer nordöstlich von Trient gelegen. Und dennoch meinen sie nicht dasselbe. Der Unterschied liegt im sprachlichen Hintergrund der Sprecher. Im Mittelalter haben sich deutschsprachige Siedler in dieser mehrheitlich italienischsprachigen Region niedergelassen. Seither begegnen sich beide Sprachen in unterschiedlichen Varianten. Daraus hat sich eine sprachliche Besonderheit entwickelt: das Bersntolerische. Das Neben- und Miteinander der verschiedenen Sprachgruppen verlief in der Vergangenheit nicht immer konfliktfrei. Deutsche und italienische Nationalisten versuchten im 19. Jahrhundert, das Tal für ihre Interessen zu vereinnahmen. Dies führte fast zum Niedergang der Sprachgemeinschaft. Heute ist der Alltag von Mehrsprachigkeit geprägt. Die Talbewohner wechseln zwischen Italienisch, Trentiner Dialekt, Deutsch und Bersntolerisch oft ganz beiläufig hin und her – „senza koa Schwierigkeit“. Bekannt ist das „Bersntolerisch" oder „Fersentalerisch", ein alter deutscher Dialekt, den Emigranten aus Bayern und Tirol im 13. Jahrhundert mitbrachten. Diese deutsche Sprachform nahm im Laufe der Jahrhunderte Einflüsse und neue Elemente auf und entwickelte sich so zu jenem Deutsch, das heute noch in Palai, Florutz/Vlarotz und Gereut/Garait mit seiner Fraktion Eichleit/Oachlait gesprochen wird. Nicht vergessen werden darf aber auch die Tradition der Wanderhändler, der „Krumer“. Als im Laufe der Jahrhunderte die Erzvorkommen zur Neige gingen, ernährte die bescheidene Landwirtschaft längst nicht mehr alle. So gewährte Kaiserin Maria Theresia den Fersentalern eine Wanderhandelslizenz für das gesamte Reich.

 

Dr. Heinz Wieser

 

Kontakt

Freundeskreis des Tiroler Volkskunstmuseums

A-6020 Innsbruck
Universitätsstraße 2
Österreich

info@freundeskreis-volkskunstmuseum.at

Mitglied werden

Wir laden Sie herzlich ein, Mitglied beim Freundeskreis des Tiroler Volkskunstmuseums zu werden.

mehr dazu

Volkskunstmuseum

Seit 1888 präsentieren wir Volkskunst und Moderne aus Tirol im Spannungsfeld zwischen Dauer und Veränderung.

mehr dazu

Share Tweet Mail Whatsapp

Freundeskreis des Tiroler Volkskunstmuseums
ImpressumLinksammlungHaftungsausschlussDatenschutz

powered by webEdition CMS