An der Fassade und im Kreuzgang des Tiroler Volkskunstmuseums wird eine bemalte Leinwand mit Auszügen aus dem jüdischen Gebet Kaddisch gezeigt, einem Text, der zum Gedenken an Verstorbene gesprochen wird, gestaltet von den österreichischen Künstlern Oskar Stocker und Luis Rivera.
Wie Kuratorin Rosanna Dematte' am 5. November bei der von Obfrau Herlinde Keuschnigg organisierten Führung für ihren Freundkreis und Mitgliedern des Forum Land erklärte, ist das Kaddisch eines der wichtigsten Gebete im Judentum. Es wird zum Gedenken an Verstorbene gesprochen und entstand vermutlich vor über 2.000 Jahren. Es ist in aramäischer wie auch in hebräischer Sprache verfasst.
Achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges präsentieren Oskar Stocker und Luis Rivera ihre Auseinandersetzung mit diesem Thema und stellen das Gebet in den Mittelpunkt ihrer Intervention „Kaddisch"- einer großen, mit Textauszügen bemalten Leinwand an der Fassade und einem hinterleuchteten Textfragment im Kreuzgang des Tiroler Volkskunstmuseums
Kuratorin Rosanna Dematte' dazu wörtlich: „Mit ,Kaddisch' wollen wir Gelegenheit bieten, gemeinsam zu gedenken, an die Opfer des Nationalsozialismus aber auch an alle Menschen, die aufgrund ihrer Religion, Kultur oder Herkunft Gewalt erlebt haben und erleben.
Das Werk „Kaddisch" steht nicht direkt mit religiösen Weltanschauungen in Verbindung, es richtet vielmehr eine Einladung an alle Menschen zum Erinnern. Die Intervention wird in Innsbruck zum Gedenken an die Novemberpogrome gezeigt und ist gleichsam auch ein sichtbares Zeichen für eine aktive Erinnerungskultur."
Das Kunstwerk Kaddisch, das bis 16. November zu sehen ist, entstand 2018 für eine Ausstellung in der Kollegienkirche Salzburg und wurde 2024 in der Säulenhalle des Österreichischen Parlamentes in Wien gezeigt.
Dr. Heinz Wieser
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